Liebe Pflegeeltern,
mal wieder ein Meinungsbeitrag, denn, Vorsicht, Leo ist schon wieder auf dem Kriegspfad. Grund dafür ist eine Meldung, die letzte Woche zu lesen war, aber kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Bundeskanzler Friedrich Merz hat vier Bereiche ausgemacht, die „inakzeptabel“ viel Geld kosten: Behindertenhilfe, Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und ein Bereich, den er bei dieser Gelegenheit zu erwähnen vergessen hat. Darf ich anhand der drei genannten über den vierten Bereich mutmaßen? Es muss etwas sein, bei dem die Betroffenen erstens keine Schuld an ihrer Lage haben, zweitens keine Möglichkeit haben, selbst etwas an ihrer Lage zu ändern, und drittens keine Möglichkeit haben, Druck auf Entscheidungsträger aufzubauen.
Herr Merz, Christdemokrat, nach eigener Aussage „oberer Mittelstand“ und Besitzer von zwei Flugzeugen, hat sicherlich wenig Zeit. Aber ich lade Ihn gern ein, einmal 24 Stunden in einer Pflegefamilie mit herausfordernden Pflegekindern oder solchen mit Behinderungen zu verbringen. 24 Stunden, denn so lange dauert jeder Tag für Pflegeeltern, die rund um die Uhr Verantwortung übernehmen.
Ich gönne Friedrich Merz seine Flugzeuge. Aber so abgehoben kann man doch eigentlich gar nicht sein.
Aber lassen wir christliche, demokratische und soziale Bedenken, den ganzen Ethikkram, mal beiseite und versetzen uns in den Kopf eines früheren Hedgefonds-Aufsichtsrats, der unsere knappen Staatsfinanzen verwalten soll. Und seien wir dabei probehalber mal so zynisch und unmenschlich, wie wir es nur hinbekommen.
Die Hilfe, die wir heute einem Kind oder Jugendlichen bieten, kann den Unterschied ausmachen zwischen einem selbständigen Leben und lebenslanger Abhängigkeit von der Unterstützung anderer. Einige Jahre Unterstützung in der Jugend, damit ein Staatsbürger später die Wirtschaft am Laufen hält und Steuern zahlt, anstatt die nächsten 60+ Jahre auf Hilfe angewiesen zu sein, das scheint mir selbst bei zynischster Betrachtungsweise eine blendende Investition. Aber auch in dieser Hinsicht scheine ich dümmer zu sein als Friedrich Merz.
Herzliche Grüße
Leo
P.S.: Ich erinnere noch einmal auf unsere Sozial-Lobby-Aktion: Wer den Sozialverband VdK nutzen und zugleich dessen politische Arbeit unterstützen möchte, dem erstattet FaMo den ersten Jahresbeitrag.


