Liebe Pflegeeltern,
das statistische Bundesamt hat neulich die Zahl der Inobhutnahmen für das Jahr 2025 bekannt gegeben und in der Presse wurde sie als großer Erfolg betrachtet. Wie meistens lohnt es sich aber genauer hinzuschauen: Zwar ist die Zahl drastisch gesunken, um 18 % zum Vorjahr. Das liegt aber allein daran, dass durch den Rückgang der Asylanträge deutlich weniger unbegleitete Minderjährige nach Deutschland kamen. (Ohne in diese Debatte einsteigen zu wollen: es geht diesen Kindern nicht besser als im Jahr zuvor, sie schaffen es nur nicht mehr nach Deutschland.)
Wenn wir hingegen die Wohnbevölkerung betrachten, dreht sich der vermeintliche Erfolg in das Gegenteil. 40.000 Kindern musste in diesem Jahr Schutz gewährt werden, eine Zahl, die das dritte Jahr in Folge ansteigt. Das sind mehr als hundert Kinder, die jeden Tag in Deutschland Schutz und Hilfe brauchen, davon drei Viertel dauerhaft. Die Gründe sind vielfältig, zu den häufigsten gehörten Überforderungen der Eltern (32 %), Vernachlässigungen (16 %), körperliche Misshandlungen (15 %) und psychische Misshandlungen (11 %). Und natürlich kann ein Kind auch von mehreren dieser Gründe betroffen sein.
Diese Zahlen – und dass sie seit Jahren ansteigen – sagen viel aus über die Realität in einem reichen Land.
Wir bei FaMo wissen sehr wohl, wie begrenzt unsere Kräfte sind, aber wir glauben fest daran, dass die Dinge besser werden, wenn jeder tut, was er kann. Wenn wir es zulassen, vor der Größe der Aufgabe den Mut zu verlieren, wird niemandem geholfen. Jede Woche müssen wir Anfragen von Jugendämtern ablehnen, weil wir einfach nicht die Kapazitäten haben, um allen zu helfen, die es verdienten. Aber an die Arbeit, die wir leisten können, gehen wir mit ganzer Kraft und ganzem Herz.
Und das ist auch der Geist, den wir immer wieder bei unseren Pflegeeltern erleben. Sie schauen nicht weg und gehen den einfachen Weg. Sie alle haben sich entschieden, ihren Teil zu tun, damit ein Leben besser wird. Und Sie geben nicht auf, wenn es schwer wird und sich kein Fortschritt zeigen will.
Dafür möchten wir Ihnen von Herzen danken, denn ohne Sie würde auch unsere Arbeit nichts bewirken.
Die Zahlen in den Tausenden sind entmutigend, ohne Zweifel. Aber Sie und wir schauen statt auf die Zahlen lieber auf das Kind, das vor uns steht.
Mit herzlichen Grüßen
Leo vom FaMo-Team


